Der Weg zu besseren Bildern

Angeregt durch ein Gespräch heute Mittag habe ich mal wieder ein recht umfangreiches Thema hier. Mal sehen ob wir das alles in einen Eintrag verpackt kriegen oder ob ich da zwei draus machen muss / kann. Es richtet sich an hauptsächlich an Anfänger und fortgeschrittene Anfänger. Lesen darf es natürlich jeder, da bin ich nicht so. Das Thema ist der Weg zu besseren Bildern.

Die Technik

Die Technik hinter der Fotografie und die Verhältnisse von Blende – Belichtungszeit – ISO hat man sicher schnell intus. Man kann sicher Anfangs auch auf die Kameraautomatiken vertrauen, aber die Kamera weiß ja nicht, ob ihr den aufgehenden Mond oder den rennenden Hund fotografieren wollt. Solche Bilder mit der Automatik machen sind wirklich dann Glückstreffer. Deshalb empfehle ich erstmal von der Vollautomatik loszukommen. Wenn man die Zeit- oder Blendenvorwahl in der Kamera versteht und beherrscht ist man ein ganzes Stück weiter. Den manuellen Modus nutze ist auch nur recht selten.

Das Problem

Die Technik versteht und beherrscht ihr jetzt aber die Bilder sehen immer noch Scheibenhonig aus? Ein technisch perfektes Bild muss noch lange kein optisch schönes Bild sein. Das hat viel mit Bildaufbau zu tun, Gestaltungsregeln wie der 2/3 Regel, wann man diese Regeln brechen sollte usw. zu tun. Damit kann man ganze Bücherregale füllen, das kann ich jetzt hier im ersten Step nicht ausführen. Auch die Psychologie spielt da mit rein. Wann ist ein Foto oder Motiv interessant?

Nehmen wir als Beispielmotiv mal einen alten knöchernen Baum mit buntem Laub im Herbst. Wie ist der am besten zu Fotografieren?

Folgende Fragen stelle ich mir immer wieder wenn ich sowas fotografiere:
Wie sehe ich den Baum normalerweise?

  • Habe ich da schon mal drunter gelegen und diese Perspektive betrachtet?
  • Wenn ich den ganz aufs Bild nehme, stört mich da irgendwas im Hintergrund?
  • Muss ich den ganz aufs Bild nehmen oder finde ich ein paar schöne Details? (ein paar Blätter oder Äste)
  • Wie sieht der aus, wenn ich mal von der anderen Seite schaue?

Ist der Baum wirklich das Motiv für das Wetter?

  • An einem grauen regnerischen Tag kommen die Farben nicht so rüber, muss ich den dann fotografieren?
  • Wenn er ohne Laub ist, ist er dann vielleicht ein Motiv für ein Foto im Winter vor einem Sturm in Schwarz/Weiß?

Und die wichtigste Frage für mich ist immer noch: Würde ich mir das Bild an die Wand hängen?

Das nächste Problem

Ich will alles! Wer die Kamera beherrscht der will dann auch alles gleich ausprobieren. Daran ist ja auch nichts schlechtes, aber wenn man tausend Sachen macht, macht man keine zu 100%. Ich empfehle daher immer, probiert euch an der Sache die euch am meisten interessiert erstmal aus, bis ihr die soweit drauf habt und fangt dann mit dem nächsten Thema an. Manche Leute können richtig gut mit anderen Menschen, die sollten sich erstmal in der Richtung ausprobieren. Landschaftsfotografie ist dann wahrscheinlich nichts für die.

WICHTIG! wenn ihr etwas ausprobiert, sucht euch gute Freunde, denen ihr die Bilder zeigt. Die Freunde, die euch auch sagen, das Bild gefällt mir nicht. Akzeptiert das, daraus lernt man viel. Akzeptiert das aber nicht, wenn ihr kein warum bekommt. Ohne ein warum ist ein positives wie auch ein negatives Feedback absolut sinnlos. Wenn ihr da die Familie fragt, gerade die engere Familie, werdet ihr nicht so hundert prozentig die ehrliche Meinung bekommen. Die versuchen euch zu motivieren, aufzubauen. Auch wenn das Bild mal nicht der Burner ist. Bei Onlineforen habt ihr wieder das Problem, in meinen Augen sogar ein sehr großes, ihr werdet kaum eine ehrliche Meinung hören. Die Fanboys werden euch platt machen, weil ihr nicht mit deren Ausrüstung fotografiert habt, egal wie das Bild aussieht. Oder ihr werdet an die Wand gefahren weil ihr eine Idee von deren Idol aufgegriffen habt oder oder oder …

Alles leider selbst schon mehrfach erlebt und Grund für mich, mich vor mehr als 7 Jahren aus den Onlineforen zurückzuziehen. Ich bevorzuge den Blickkontakt, wenn es um meine Bilder geht. Aber das ist eine andere Baustelle.

Wenn ihr Bilder anderen zeigt, zeigt denen nicht alle gemachten 250 Stück von dem Motiv. Sucht euch die besten raus, die von denen ihr selbst überzeugt seit. Bei meinen Rauchfotos oder auch den Tropfenfotos entstehen in einer Session schnell 500 oder noch mehr Bilder. Das sind halt Momente die man so nicht wirklich kontrollieren kann. Wenn es da 10 % in die engere Auswahl schaffen ist das viel. Und von den Bildern schafft es vielleicht die Hälfte veröffentlicht zu werden. Bei den Landschaftsfotos sieht das schon wieder anders aus. Da habe ich genug Zeit um alles richtig zu machen, aber auch da landen einige auf der Liste der schwarzen Fähnchen, die abgelehnten.

Zum Schluss

Zum Schluss bleibt nur noch zu sagen: Macht was aus euren Fotos. Wenn sie auf der Festplatte vor sich hinschimmeln hat das keinen Sinn. Druckt sie aus und  hängt sie an Wände, macht Kalender draus und verschenkt die. Warum empfehle ich die Bilder zu analogisieren (ich weiß, ein schönes Wort)? Die Haltbarkeitszeit in den sozialen Medien liegt unter 10 Minuten, dann sind die meist in den Tiefen der Netze verschwunden, es sei den jemand sucht gezielt danach. Beim Blättern auf dem Tablet liegt die Wahrnehmungszeit der meisten Bilder unter einer Sekunde, ja das ist wirklich so kurz. Ich finde leider keinen Link mehr zu der Studie. Und 20 Tablets oder Monitore an die Wand zu nageln um Bilder zu präsentieren geht auf die Dauer ganz schön ins Geld, mal abgesehen vom Kabelmanagement!!!

Wer jetzt hier noch Tipps erwartet, Du musst das Motiv immer mit Blende 8, einer Belichtungszeit von 1/500s  usw. machen, den muss ich enttäuschen, das kommt hier nicht mehr. Dafür ist die Fotografie zu individuell als das ich das auch nur im Ansatz irgendwie mitgeben könnte. Lernt die paar Grundlagen und lauft ein paar mal gegen die Wand, so lernt man am besten.

Ich werde die nächsten Tage mal noch eine kleine Übersicht an interessanten Fotothemen hier rein stellen. Sachen mit denen man sich beschäftigen kann und mit denen ich mich auch schon beschäftigt habe oder die noch auf meinem Wunschzettel stehen. Das hat doch nicht alles in einen Beitrag gepasst. Ich wusste es!

Frank Laue

Author: Frank Laue

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